Autor Thema: Bewerbung um den Posten des Semestersprechers  (Gelesen 2653 mal)

Offline Silencer

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Bewerbung um den Posten des Semestersprechers
« am: 28.07.2003, 14:16:31 Nachmittag »
Hier der Inhalt einer E-Mail, die seit einer Weile vor allem an deutschen Privathochschulen kursiert und massiv zur Erheiterung der Studenten beiträgt. Schön ungelenk bewirbt sich darin ein junger Streber für den Posten des Semestersprechers an einer bekannten Wirtschaftshochschule, lässt keinen Fettnapf aus und gibt sich dem Gespött der Adressaten preis. Vor allem eine Antwort-Mail - im zweiten
Teil - hat es richtig in sich. Touché!

Hier zunächst die kuriose Rundmail, mit der sich der Student an seine Kommilitonen heranwanzt (anonymisiert, aber in Original-Rechtschreibung):


"Hallo liebe Kommilitonen,

morgen, nach noch nicht einmal zwei gemeinsamen Wochen, stehen für uns schon die Wahlen zu diversen wichtigen Posten auf dem Programm. Besonders der Semestersprecher übernimmt viel Verantwortung und Ehre. Das Potential dieses Amt zu bekleiden ist bei uns allen ist sehr groß. In den letzen Jahren stand die Motivation der einzelnen diesem in nichts nach, was dazu führte, dass fast der gesamte Jahrgang kandidierte.

Viele von uns denken sehr zukunftsorientiert insbesondere in bezug auf den eigenen Lebenslauf. "Semestersprecher" macht sich da sicherlich sehr gut, aber das sollte nicht der Grund sein, sich für dieses Amt aufstellen zu lassen. Wir alle haben schon tolle Lebensläufe, sei es durch Auslandsaufenthalte, besondere Aktivitäten und nicht zuletzt durch den (Name der Hochschule), an der wir nun studieren. Das Ziel eines jeden Kandidaten muss es sein, sich für die Gemeinschaft unseres Jahrgangs einzusetzen, deren Meinungen auch gegen den eigenen Willen zu vertreten und Probleme von ihr abzuwenden. Damit birgt dieses Amt jedoch einen hohen Arbeitsaufwand, der Austin, respektive Ranking 1-3, immer weiter entfernt.

Über all das sollte man sich im Klaren sein, bevor man aufsteht und kandidiert. Nach intensiven Beratungen mit älteren Semestern habe ich mich dazu entschlossen zu kandidieren. Im folgenden werde ich versuchen, mich euch mit Ausschnitten aus meinem Lebenslauf noch etwas näher zu bringen:

Auslandsaufenthalt 1997 im Dschungel von Malaysia

Dieses "Survival-Training" in einer 21-köpfigen islamischen Familie fernab jeglicher Zivilisation hat meine Sozialkompetenz geschult und meine Teamarbeits- und Integrationsfähigkeit verfeinert.

Ehrenamtliche Tätigkeiten

- 1. Vorsitzender eines Segelvereins
- Mitglied des Landesvorstandes der Jungen Liberalen (Bundesland)
- Mitglied des Bezirksvorstandes der Jungen Liberalen (Stadt)
- Stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen (Kreis)
- Stellvertretender Verbandsgemeindevorsitzender der FDP VG (Ort)

(Momentan bekleide ich zwar noch alle diese Ämter, aber einige werde ich bei den nächsten Hauptversammlungen niederlegen, da sich das sonst mit dem Studium keinesfalls vereinbaren lässt. Meine Maxime ist immer: "Mach es gut, oder gar nicht")

Im Rahmen dieser Ämter durfte ich an einigen Seminare (Rhetorik, Organisation, konstruktive Teamarbeit) teilnehmen. Außerdem konnte ich mich hier daran gewöhnen, Meinungen einer Gruppierung mit großer Inbrunst auch in der Öffentlichkeit zu vertreten, unabhängig davon ob sie zu meinen eigenen konträr waren.

Entrepreneurship

Dass ich vor zwei Jahren eine Firma mit drei freien Mitarbeitern gegründet habe, hat sich ja schon weitestgehend rumgesprochen, deshalb gehe ich darauf nicht näher ein.

Weitere Fragen beantworte ich per E-Mail aber auch gerne im Plenum der Wahlversammlung.

Außerdem möchte ich auch die anderen ernsthaften Kandidaten darum bitten, in einer ähnlichen Rundmail ihren persönlichen Background darzustellen, damit wir morgen eine qualifizierte Wahl mit nachhaltigen Resultaten treffen können.

Gruß

(Name)


Daraufhin das Antwortschreiben eines weiteren Kandidatens:


"Hallo liebe Kommilitonen,

diverse Titel und Auszeichnungen sind noch zu vergeben. Besonders der "Großmeister und Imperator der Westlichen Welt" übernimmt viel Verantwortung und Ehre. Das Potenzial, dieses Amt zu bekleiden ist unter uns Ex-(Hochschule)lern sehr groß, so dass der eine oder andere auf die Idee kommen könnte, hierfür zu kandidieren.

Vielen von uns denken sehr karriereorientiert und der Titel "Großmeister und Imperator der Westlichen Welt" macht sich sicherlich gut auf dem Lebenslauf. Aber das sollte nicht der Grund sein, sich für dieses Amt aufstellen zu lassen. Wir alle haben schon tolle Lebensläufe, seien sie
nur ein bisschen gefälscht oder völlig frei erfunden. Das Ziel eines jeden Kandidaten muss es sein, sein Ego und seinen Größenwahn klar vor die Gemeinschaft zu stellen. Dahinter verbirgt sich natürlich die Gefahr einer Einsamkeit an der Spitze. Über all das sollte man sich im Klaren sein, bevor man aufsteht und kandidiert.

Da mein Konto nach zwei Jahren unternehmerischer Tätigkeit immer noch ein negatives Saldo aufweist, habe ich mich nach intensiven Beratungen mit meinem Steuerberater, meinem Wellensittich und dem dunkelhaarigen Mädchen auf Seite 23 des November-Playboys dazu entschlossen, zu kandidieren. Im folgenden werde ich versuchen, mich Euch mit Ausschnitten aus meinem Lebenslauf noch etwas näher zu bringen:

Mit 13 Jahren trat ich aus dem britischen Hochadel aus um mich unter Euch Proletarier zu mischen und meine Sozialkompetenz zu schulen. Meine Teamfähigkeit ist so ausgeprägt, dass ich das Wort schon seit Jahren nicht mehr mit "ieh" schreibe.

Mit 16 trat ich der Guerilla-Armee Burmas bei und lernte dort, Feinde mit Grashalmen zu durchbohren, meine Notdurft unter Aufsicht zu verrichten und Pickel mit Blutegeln zu heilen. Meine diplomatischen Fähigkeiten bei der Schlichtung des Bürgerkriegs in Brühl-Pingsdorf brachten mir mit 18 Jahren meinen ersten Nobelpreis ein, dem mittlerweile vier weitere gefolgt sind (für die Initiierung der Hippiebewegung, meine bahnbrechenden Inzeststudien auf Rheininseln, meine Erforschung der Psyche von Quark sowie für die Mondlandung). Ich bin Gegenstand diverser Bücher, Dokumentationsfilme und Begabungsforschungsstudien. Warren Buffet fragt mich nach Anlagetipps.

Ich habe niemals Mundgeruch.
Ich kann bei Frauen mehrstündige Orgasmen auslösen.
Bis 1977 war ich als "Elvis Presley" bekannt.
An Samstagnachmittagen ziehe ich durch Altenheime und repariere kostenlos kaputte Toaster. Kinder vertrauen mir. In meiner Freizeit übersetze ich die Bibel in diverse chinesische Dialekte. Ich habe Michael Schuhmacher Autofahren beigebracht. Ich habe den Kölner Dom
konzipiert. Mike Tyson hat Angst vor mir. Mittwochs rette ich Wale. Ich bin ein Veteran der Liebe und ein Volksheld in Venezuela. Ein Sekt-Fruchtsaftgemisch wurde nach mir benannt, ebenso wie eine Weltreligion.
Ich weine im Kino. Mit nur einer Handvoll Reis und einer Heizdecke koche ich Michelinprämierte Fünfgangmenüs.
Wenn ich schlafe, dann nur im Stehen.

Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten umfassen:

* Stammesältester der Tuareg
* Maskottchen des Kegelclubs "Dumm' Sau"
* Präsident der Welthandelsorganisation
* Stellvertretender Kassenwart des TuS Buxtehude e.V.
* Honorary President of the Lonely Quiltmakers, North Carolina

Ich verstehe Frauen. Und Unternehmensberater. Würde man meine bei Golfturnieren gewonnenen Preisgelder in 100-Dollar-Scheinen aneinander reihen, sie würden dreimal um die Welt reichen. Ich bin der echte Crocodile Dundee. Unter dem Pseudonym "Berners-Lee" erfand ich das WWW.
Ich lerne Telefonbücher von Großstädten innerhalb von Minuten auswendig und zerreiße sie anschließend. Ich spiele den Minutenwalzer in 12 Sekunden, koche die 5-Minuten Terrine in einer. Kardinäle und Gurus kommen für Motivation und Inspiration zu mir.

Da meine drückende Überlegenheit für die Kandidatur auf dieses Amt offensichtlich ist, gehe ich davon aus, dass sich niemand anderes aufstellen lässt und nehme Eure Wahl dankend an.

Einen gebenedeiten Gruß entbietet

Euer

Großmeister (Vorname), Imperator der Westlichen Welt
"Research is like sex: sometimes something useful is produced, but that's not why we do it."
-- Richard Phillips Feynman, Physiker und Nobelpreisträger, 1918-1988

Offline mike

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Bewerbung um den Posten des Semestersprechers
« Antwort #1 am: 29.07.2003, 23:03:20 Nachmittag »
Da fällt mir übrigens ein, es werden wieder Leute gesucht, die nächstes Semester ein wenig aktiver werden und sich zur Wahl stellen für den FSR und FBR.
Sinnvoll wäre es natürlich wenn man sich regelmässig in den entsprechenden Sitzungen blicken läßt und wirklich interesse hat das Amt zu begleiten.
Interessenten können sich gerne mal in der Fachschaft melden.
Die Listen zum Eintragen werden wohl ab Anfang nächsten Semesters dann bei uns in der Fachschaft eintreffen...
Gruß Mike