Autor Thema: ... warum ich doch viel lieber arbeite bei dieser Hitze...  (Gelesen 2351 mal)

Offline Joe

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... warum ich doch viel lieber arbeite bei dieser Hitze...
« am: 12.08.2003, 13:35:12 Nachmittag »
Ich packe so gegen 11 Uhr an einem freien Mittwoch mein Handtuch, ein
Buch, eine Flasche ALDI-Mineralwasser und eine Flasche Sonnencreme ein
und setz mich ins Auto. Natürlich müsste ich nicht mit dem Auto fahren.
Ich könnte ja auch mit dem Rad fahren. Aber Rad fahren ist genauso zum
Kotzen wie Straßenbahn fahren und zu Fuß geht nun wirklich nicht !

Also, ich fahre zum Schwimmbad. Je näher ich dem Schwimmbad komme, um so
größer wird die Zahl der Radfahrer, die mit sonnigem Gemüt kreuz und
quer nebeneinander und sowieso überall auf der Straße herumschlingern,
die Sonnenbrille auf der Nase und tonnenweise Krempel im Körbchen, wie
zum Beispiel Luftmatratzen, Kühlboxen, Sonnenschirme oder ihren
Nachwuchs. Man könnte glauben, manche wären aus ihren Häusern vertrieben
auf dem Weg in die Fremde aber nein, sie wollen tatsächlich nur einen
Tag ins Schwimmbad. In tiefem Vertrauen auf den lieben Gott und meine
Geduld rauschen sie also unkoordiniert vor meinem Auto herum... aber ich
lasse mich nicht entmutigen und suche einen Parkplatz. Schatten wäre
toll. Am besten nicht zu weit weg.

Ich suche ungefähr eine halbe Stunde und stelle mich dann siebeneinhalb
Kilometer vom Eingang entfernt gegen die Fahrtrichtung im absoluten
Halteverbot auf einen sonnendurchfluteten Radweg, den die oben erwähnten
Bekloppten komischerweise eisern ignorieren.

Vor der Kasse steht eine riesige Menschenmenge. Darunter auch fünf
ältere Herren in Team Telekom-Outfits, die lauthals verkünden, dass sie
nach 20 Kilometern Rad fahren jetzt noch 25 Bahnen schwimmen werden...
Interessante
Triathlon-Variante:
mit dem Fahrrad ins Schwimmbad, mit dem Krankenwagen wieder zurück. Drei
Teenies zwängen sich durch die Reihe nach vorn. Auf meinen freundlichen
Hinweis, sie sollten sich doch bitte hinten anstellen, antwortet einer
mit einem ebenso
freundlichen: "Halt doch die Fresse, Schwuchtel!". Aber ich freu mich
einfach nur weiter auf das kühle Nass und passe nebenbei auf, dass mir
im Gedränge keiner den Geldbeutel klaut. An der Kasse mache ich meinen
Anspruch auf Ermäßigung geltend. Die freundliche Dame bittet mich
herein, lässt sich Studentenausweis, Personalausweis, Führerschein,
EC-Karte, Organspender-Karte, Impfpass und Geburtsurkunde vorlegen und
unterzieht mich einem Lügendetektor-Test. Nachdem das BKA meine
Fingerabdrücke überprüft hat, gewährt man mir tatsächlich ermäßigten
Einlass in den Badespaß-Park!

Ich suche mir ein nettes Plätzchen auf der Wiese, lege mein original
rotes Schwuchteltuch auf ein Ameisenloch und eine alte Portion Pommes
und freu mich auf den schönen Tag. Die Vöglein singen, die Kinder
schreien und die Kids nebenan erfreuen das ganze Schwimmbad mit dem
lieblichen Geschrei von Rammstein, welches aus ihrem Ghettoblaster
dröhnt. Dann erfreue ich die Bienen und Wespen, indem ich mich von Kopf
bis Fuß mit einer pampigen stinkigen Sonnencreme einschmiere. Sofort
summen sie lustig um mich herum... Ach, das Leben ist schön! Nachdem ich
mich eine halbe Stunde in der Sonne geräkelt habe, bekomme ich langsam
Durst und greife zu meinem Wasser. Als ich gerade trinken möchte donnert
mir ein Fußball lustig hinten auf die Birne, was dazu führt, dass ich
mir am Flaschenhals ein noch lustigeres kleines Stück vom Schneidezahn
abschlage... Ich drehe mich um und da steht... so ein Zufall! Das
sympathische kleine Arschkind vom Eingang ! Entschuldigend sagt der
Kleine zu mir: "Gib mein Ball her, du Missgeburt!" Da kann ich
natürlich nicht nein sagen und werfe ihm den Ball zu.... Im Schwimmbad
ist es echt toll!

Doch ein Schluck Wasser konnte mich nicht wirklich erfrischen. Zeit für
einen Sprung ins kühle Nass! Nachdem ich einen netten Mann neben mir
darum gebeten habe, doch ein Auge auf meine Sachen zu haben, während ich
schwimme, schlendere ich zum Becken. Hier ist es toll! Viele kleine
Kinder rennen herum. Eins rennt mir mit dem Kopf in die Eier und fängt
an zu heulen. Die Mutter schreit mich an, was mir einfiele, so einfach
am Becken vorbeizugehen wenn ihr Kind da herumtobt. Ja, das tut mir
natürlich Leid... hätte ich auch wirklich besser aufpassen müssen.
Endlich bin ich im Wasser. Das ist echt schön! Das Sonnenöl von
tausenden Leuten schillert auf der Wasseroberfläche, durch die
chlorverätzten Augen scheint die Welt in einen lieblichen Schleier
gehüllt. Ich tauche unter und genieße gerade den Wechsel zwischen kaltem
Wasser und warmem Pipi, als mir ein nettes kleines Kind vom
3-Meter-Brett auf den Rücken springt. Als ich japse und auftauche, um
mich zu entschuldigen, sehe ich, dass es ja genau das gleiche Kind wie
eben war! Hach wie nett! Hoffentlich hat es sich nicht weh getan! Es
hört auch tatsächlich gleich auf zu weinen, nachdem ich ihm meine Uhr
geschenkt habe. So ein liebes Kind!

Raus aus dem Wasser, zurück zum Platz. Als ich dort ankomme, ist der
nette Nachbar, der ein wenig auf meine Sachen aufgepasst hat, nicht mehr
da. Mein Geldbeutel auch nicht. Dafür aber sein Hund, der gerade mein
Schnitzelbrötchen frisst um danach in meinen Turnschuh zu scheißen.
Netter Hund!

Eigentlich bin ich sehr ausgeglichen... aber jetzt ist es doch langsam
genug. Ich packe meine Sachen zusammen und den blöden Hund in die
Kühlbox seines freundlichen Herrchens. Selbige lasse ich feierlich im
Wellenbecken zu Wasser und schaue mir belustigt den wilden Ritt an,
während ich ein paar Takte "Surfin USA" pfeife. Mit dem Handy des
Herrchens rufe ich eine 0190-Nummer an und werfe es dann aufs Dach der
Umkleidekabinen. Jetzt hab ich mich schon beinahe beruhigt. Ich
schlendere zu meinem Fußball-Freund, nehme ihm den Ball ab und schieße
ihn mit einem beeindruckenden Vollspann aus einem Meter Entfernung
direkt in sein nettes Gesicht. Nachdem er blutüberströmt nach hinten
umgefallen ist, nehme ich die Gelegenheit wahr, in seinem Rucksack noch
ein kleines Feuerchen zu legen und mache mich auf den Weg zum Ausgang.
Als ich am Beckenrand vorbeikomme sehe ich meinen Kumpel vom
3-Meter-Brett. Da der Bademeister gerade dabei ist, einen Telekom-Opa
aus dem Becken zu fischen nutze ich den Moment, schnapp mir die Badehose
des netten kleinen Schweinepriesters und hänge sie nicht weit entfernt
an einen hohen Ast.

Als ich am Ausgang ankomme schau ich mich ein letztes Mal um: Der
Fußball-Penner hüpft plärrend um seinen brennenden Rucksack herum (das
Feuer hat inzwischen auf benachbarte Bastmatten übergegriffen), die
kleine Nervensäge hüpft nackt unter dem Badehosen-Baum herum (umzingelt
von kreischenden Mädchen) und der nette Nachbar sucht seinen Hund... die
fest verschlossene Kühlbox zieht immer noch ihre Bahnen im Wellenbecken
und das Handy funkelt mir lustig vom Umkleidedach zu. Die Rechnung muss
inzwischen bei etwa 198 Euro liegen... Als ich zum Auto zurückkomme
hängt ein Strafzettel dran. Ich nehm' ihn ab, lese ihn aufmerksam durch
und esse ihn auf. Dann steig ich in mein brütend heißes Auto und
denke:

Gar nicht so schlecht, so ein Besuch im Freibad...

Author unbekannt :-)